Nicht mit Ruhm bekleckert

Manche Menschen gehen in ein teures Restaurant, weil sie Hunger haben, anderen tut so ein Besuch im Geldbeutel weh, aber sie wollen sich mal was gönnen. Wenn dann miese Qualität abgeliefert wird oder das Personal nicht top ist, finde ich das richtig gemein. So hatten wir am 6.1.2017 ein herziges Essen in einem Restaurant namens „Wellington“, das zur besseren Kategorie gehören will und sich auf Steaks spezialisiert hat.

Es begann damit, dass am Eingang ein selbstgemaltes Schild hing: „Heute keine Kartenzahlung“. Klar, kann mal passieren, dass das Internet ausfällt, da kann der Betreiber nicht unbedingt etwas dafür. Jetzt könnte der Platzanweiser am Eingang sagen: „Es tut uns leid, aber der Internetzugang ist defekt, wir können heute nur Bargeld nehmen – möchten Sie trotzdem bleiben?“ Wäre nett und tut nicht weh, hat man dort aber nicht nötig. Informationen gibt es nur auf Nachfrage bei der Bedienung, der das anscheinend egal ist, und die auch keinen Bock hat, mehr als nötig zu erklären.

Wir bestellen also Getränke, dann beschließt der Mann noch zur Bank zu fahren, da wir mit dem vorhandenen Bargeld sicher nicht auskommen würden. Von einem guten Restaurant – das noch dazu die Gäste nötigt erst Bargeld zu besorgen – hätte ich erwartet, dass man zumindest das Bier des abwesendes Gastes erst liefert, wenn dieser wieder da ist. Nun ja.

Ich habe unterdessen Essen bestellt. Einmal Menü und ein Filetsteak, bitte „medium-rare“ sprich: Innen noch etwas blutig. Der Kellner guckt mich an und fragt nochmal nach: „Medium?“ Ich erkläre: „medium-rare, innen noch blutig.“ Allein diese Nachfrage in einem Steak (!) Restaurant sagt schon alles. „Ist das für Sie oder Ihren Mann?“ – entweder fragt er nur, damit er weiß, wem er welches Gericht bringen soll, oder es handelt sich um eine durchtriebene Art von „Mansplaining“. Das Steak war natürlich „medium“.

An den Vorspeisen habe ich nix zu meckern. Die Bedienung räumte ab, brachte noch ein Bier und meinte: „Wir machen eine kleine Pause, dann geht es gleich weiter“ … „Gleich weiter“ ist ein ebenso dehnbarer Begriff wie „kleine Pause“. Ich hatte Hunger und habe das Steak nicht reklamiert. Das war noch das Beste auf meinem Teller. Ich weiß nicht wie „Röstkartoffeln“ definiert sind, aber ich dachte dabei nicht an halbe Kartoffeln in der Schale, die auf einer Seite in viel Öl leicht angebraten sind; eine Sauce Bernaise sollte doch ein paar Gewürze enthalten, finde ich.

Der Hinweis an den Kellner „Das Steak hätte etwas weniger durch sein können“ sollte von ihm mit „oh, das tut mir leid, ich gebe das an die Küche weiter“, beantwortet werden und nicht mit „ach“. Ich habe es ja gegessen. Ich erwarte keinen Schnaps aufs Haus und keine Sonderbehandlung. Aber wer viel Geld für Essen und Service verlangt, sollte auch was ordentlich abliefern. Vielleicht ist das auch alles gerade hip und ich habe keine Ahnung.

Nächstes Mal wieder im Steakhaus um die Ecke. Kostet nur die Hälfte, die Bedienung ist nett und das Essen lecker.